Wie bei Hase und Igel - der Vermehrungsgarten im Frühling

Mit dem Aufbau des Vermehrungsgartens geht es weiterhin voran. Wie immer im Frühjahr haben wir das Gefühl, alles ist nicht zeitgerecht zu schaffen. Jeder Klein-, Haus- und sonstwie-Gärtner kennt das. Die Natur gibt das Tempo vor und wir versuchen damit Schritt zu halten. Es ist wie beim Märchen vom "Hase und Igel".
 
Der größte Teil der neuen Holzrahmenbeete ist aufgebaut. Es fehlen für diese Saison noch drei Stück. Beim Aufbau steckt die Tücke im Untergrund. Auch wenn wir den Gartenteil mit den alten Baumwurzeln erst noch mal aussparen, es gibt viele Steine vom Vorpächter im Untergrund. Nach dem Aufbau muss hier noch der Boden gelockert werden, damit dann gesät und gepflanzt werden kann. Hier sind die ersten Beete schon für die Aussaat der Bohnen fertig.
 
Im ersten Folientunnel wollen wir für den diesjährigen Tomatenanbau eine lange Grube ausheben und mit Kompost, Stroh und Mist befüllen, aus der sich die Pflanzen dann mit Nährstoffen und Wasser versorgen können. Das ist eine gute Arbeit für das kühlere Wetter.
 
Unser Bauwagen soll schon lange gestrichen werden. Weil wir wegen der Gartenarbeit nicht dazu kommen, beteiligen wir uns beim Freiwilligentag. Zehn von ihrem Arbeitgeber für einen Tag von ihrer normalen Arbeit freigestellte Mitarbeiter werden u.a. diese Aufgabe übernehmen. Daneben werden auch die oberen Ränder der Rahmenbeete gestrichen, damit die Schneckenabwehrpaste einen guten Untergrund bekommt.
 
Am Sonntag, den 29. Mai, soll der zweite Tunnelteil aufgebaut werden. Dieser Tunnelteil wird keine Türen bekommen und Pflanzen und Samenträgern einen warmen, sonnigen und regengeschützen Ort bieten. Für den Aufbau werden viele kräftige HelferInnen gebraucht. Wer an dem Nachmittag mit anpacken kann, ist gern gesehen. Genau wie an den Dienstagen und Sonntagen, wenn wir ab 14 Uhr im Vermehrungsgarten aktiv sind.
 
Die ersten neuen Beete sind bestellt. Hier wachsen verschiedene Erbsensorten. Bei den kleinwüchsigen Sorten "Däumling" und "Zwergexpress" sind erste Blüten zu sehen. Schon seit 14 Tagen blüht die türkische Wintererbse vom Schwarzen Meer. Von BesucherInnen wird sie für eine Wicke gehalten, weil bunte Erbsenblüten nicht mehr so bekannt sind.
 
Diese Erbse wächst auch in einem der Naschbeete und kann dann demnächst probiert werden. Hier hat sich schon einiges getan. Die Marokkanische Minze ist umgezogen, es gibt Süßdolden, die im nächsten Frühjahr zu benaschen sein werden, weitere Erbsen, Salate und Rattenschwanzrettiche, die gekeimt sind.
 
Im Folientunnel und auch im Freiland gehen die ersten Wintersalate in Blüte. Sie wurden im Herbst gepflanzt und haben den Winter als kleine Pflanzen im Vermehrungsgarten verbracht. Der "Altenburger Winter" ist an seinen rötlichen Deckblättern zu erkennen, der "Mombacher Winter" ist ein schöner, großer Kopfsalat und der "Türkische Wintersalat vom Schwarzen Meer" besticht durch seinen ebenmäßigen, schönen Wuchs.
Wenn alles gelingt, gibt es Saatgut für die Aussaat im Herbst.
 
Auch der japanische Senfkohl "Grün im Schnee" war über Winter im Freiland. Im Frühjahr wurde er von einigen MithelferInnen in deren Küchen ausprobiert. Roh war er einigen als Salat zu herb, aber mit Apfel gemischt ein leckeres Gericht. Andere haben ihn wie Spinat gedünstet. Auch hiervon wird es im Herbst Saatgut geben.
Ein weiterer Senfkohl, mit roten geschlitzten Blättern, "Agano" wächst seit März im Folientunnel. So wird eine Verkreuzung verhindert und es kann sortenreines Saatgut entstehen.
 
Für dieses Jahr ist wieder der Anbau verschiedener Stangen-, Busch- und Einbohnen geplant. Es gibt neue Sorten. Wir sind auf der Suche nach einer blauhülsigen Bohne, die nicht Blauhilde ist. Um diese Sorte kümmern sich genügend Andere.Es gibt eine Sorte, die die Cherokee-Indianer auf ihrer traurigen, aufgezwungenen Wanderung ins Reservat begleitet hat und die recht robust sein soll. Von den Sorten, die im letzten Jahr angebaut wurden, müssen die Beobachtungen und Sortenbeschreibungen überprüft und verfeinert werden. Was macht die Sorte aus? Wie sieht sie genau aus? Für alle angebauten Sorten ist es wichtig, ihr Wachstum, ihr Aussehen zu dokumentieren. Dazu wird es ein Seminar im Juli und August geben. Hier werden wir wichtige Aspekte für die genaue Beobachtung und Dokumentation vorstellen und in der Praxis anwenden.

Die Bienen im Vermehrungsgarten sind gut über den Winter gekommen. Sie sind jetzt ein starkes, friedvolles Volk, das im Garten und in den benachbarten Kleingärten unterwegs ist. Bei der Durchsicht und Überprüfung, ob es Schwarmtendenzen gibt, kann an den Mitarbeitstagen gelegentlich zugesehen werden. Es ist schon interessant, wie ruhig die Bienen bleiben, auch wenn viele Menschen ihnen ins Haus sehen. Neu sind zwei Ablegervölker, die sich hoffentlich auch so gut entwickeln.
 
Für die vielen Arbeiten im Garten, Aufbau, aber auch normale Pflege, wird weiterhin die Mithilfe von vielen freiwilligen HelferInnen gebraucht. Auch wenn wir uns über jede/jeden freuen, die/der einige Stunden, einen Nachmittag mit anpackt, es ist aufwendig immer wieder Leute neu einzuarbeiten. Und für die MithelferInnen ist es interessanter, wenn sie nicht nur einmal mitmachen, sondern  erleben, wie ihr Tun Früchte trägt. Zwischenzeitlich nutzen einige Haus- und KleingärtnerInnen den Ort als praktischen Lernort. Das kann gern so weiter gehen und sich verfestigen.
 
Wer nicht mitarbeiten kann, einmal im Monat findet eine öffene Führung statt. Hier wird das Konzept und besondere Pflanzen vorgestellt. Immer am 2. Sonntag im Monat um 15 Uhr ist Zeit und Platz für die Fragen von Interessierten.

Es ist wie bei Hase und Igel - es bleibt spannend und Hilfe kommt von vielen Seiten.