"Steinreich, aber Grenzen im Wachstum" - Der Vermehrungsgarten 2017 - ein Zwischenbericht

Im März ist der Vermehrungsgarten in die vierte Saison im Garten gestartet. Weiterhin dienstags und sonntags finden sich BürgerInnen ein und unterstützen den Garten ehrenamtlich durch ihre Mithilfe. Zu den schon lange Mitarbeitenden sind neue MithelferInnen dazu gekommen, die einen Teil ihrer Freizeit mit im Garten anpacken, Beete vorbereiten, säen, pflanzen, pflegen und ernten. Jeder gibt so viel Zeit wie sie/er kann, bekommt Vorschläge für sein Tun und wird dann aktiv. Die Arbeiten reichen von meditativem Tun, besonderen Basteleien bis Arbeit im Schatten, Wasser pumpen und gießen bis zu handfestem Wuppen. So gehen alle nach einigen Stunden zufrieden aus dem Garten.
Weitere, möglichst verläßliche Mitarbeit, ist gern gesehen und nötig und sie beginnt mit etwas Mut und einem ersten Mithelfen.

Zu Beginn der Saison wurden weitere Rahmenbeete aufgebaut. Dies wurde beim Freiwilligentag im Mai von MitarbeiterInnen der Firma Vincentz fortgesetzt. Wieder wurden verstreut im Boden riesige Steine gefunden und ausgegraben, die uns die Vorpächter hinterlassen haben. Mit der Hilfe am Freiwilligentag sind wir ein gutes Stück vorangekommen. Vielen Dank an die engagierten und fleißigen HelferInnen.

Viele Steine fanden auch die Mitarbeiter des ABM-Stützpunktes der Hölderlinstraße, die mit der Erstellung eines Fundamentes für unser Gartenhäuschen beauftragt waren. Bis in 80 cm Tiefe haben sie sich durch Bauschutt gequält. Alle gefundenen Steine haben in einem zweiten Steingarten einen neuen Ort gefunden und ermöglichen so Trockenheit liebenden Pflanzen einen guten Ort zum Wachsen.
Zwischenzeitlich steht auch der Carport mit Schuppen, den die Jugendwerkstatt der ASG errichtet hat. Unser Rasenmäher und andere Dinge haben endlich einen sicheren Platz.

Der zweite Tunnelteil, ein Kalthaus, konnte in Betrieb genommen werden. Hier und im ersten Teil wachsen nun verschiedene Tomaten, Auberginen, Paprika und Chili. Durch die Wärme haben sie frühzeitig mit dem Fruchten begonnen. Kein Regen erreicht sie und so ist die Kraut- und Knollenfäule hier kein Problem.
In diesem Jahr haben wir nicht so viele Bohnen angebaut und bei den Stangenbohnen einen Schwerpunkt auf die späteren Sorten gelegt. Die Kaninchen haben ihnen das Wachsen schwer gemacht, so dass einige einen Schutz aus Draht bekommen mussten. Jetzt wachsen die meisten Sorten gut und bei der Sortensichtung sind dann die verschiedenen Sorten zu sehen.
Weiterhin kümmern wir uns um Winterkulturen, wie Wintererbsen, -salate und neu einen Winterspinat. Mit ihnen ist der Boden auch im Winter bedeckt, restliche Nährstoffe werden verbraucht und nach dem Winter gibt es eine frühe Ernte. Bei den Wintererbsen ist auch festzustellen, dass sie nicht so stark von Schädlingen befallen werden, die Schädlinge kommen zumeist zu spät ;-)

Unser Wachstum ist begrenzt.
Neben den ehrenamtlichen Helfern kommen auch BesucherInnen, die den Garten ansehen wollen, erfahren wollen, was wir warum tun. Wir freuen uns über den großen Zuspruch und das Interesse vieler Haus- und Kleingärtner, müssen aber feststellen, dass unsere Möglichkeiten begrenzt sind.
Während es im ersten Jahr noch möglich war jeden Besucher durch den Garten zu führen, können wir dieses nur noch bei der monatlichen Führung, immer am 2.Sonntag im Monat ab 15 Uhr, anbieten. Zum Glück haben die meisten BesucherInnen dafür Verständnis, dass wir bei der Größe des Gartens und der Aufgabe die wenige Zeit ungestört für die Gartenarbeit benötigen. Gern würden wir das Angebot, mehr Führungen, erweitern, sehen aber dafür derzeitig keine Möglichkeit.

Unsere Möglichkeiten sind auch an anderer Stelle begrenzt. Durch den Film des NDR und die Internetseite kommen viel Lob für unseren Garten und Anfragen nach Saatgut. Wir versenden kein Saatgut, das schaffen wir leider nicht. Saatgut geben wir gern bei einigen Veranstaltungen hier in Hannover weiter, wie der Saatgutbörse „Säen Sie sich das mal an!“ im Februar, bei der Pflanzenbörse am Lindener Berg und bei der Sortensichtung im September. Unser Ziel ist, dass die von uns erhaltenen Sorten in den Haus-, Klein- und Balkongärten hier in der Region einen festen Platz finden.

Ebenfalls aktuell nicht möglich ist die Ausweitung der Arbeit auf die Einbeziehung von Kindern, der Aufbau einer regelmäßigen Kindergruppe. Eine erste Beteiligung von Kindern fand im Rahmen des Ferienprogramms der Stadt Hemmingen statt. Es war toll zu erleben, wie engagiert die Kinder an dem einen Tag mitgearbeitet haben. Viele von ihnen würden gern regelmäßig wiederkommen, was derzeit nicht möglich ist.

Der Garten wird von der Landeshauptstadt Hannover im Rahmen des Programms zur biologischen Vielfalt, Hannover ist Stadt der Biodiversität, unterstützt und gefördert. Im Rahmen dieser Förderung wurde der bisherige Aufbau finanziert. Diese Förderung soll nach Ablauf des ersten Kooperationsvertrages (2014 – 2017) fortgeführt werden.

Was weiterhin fehlt ist eine personelle Förderung meiner Arbeit. Neben Anleitung und Begleitung der ehrenamtlichen Mithelfer, Führungen und allgemeiner Gartenarbeit ist dieses auch die Organisation und Planung des Gartenaufbaus (Gartenhaus), des Anbaus und des Erhalts der verschiedenen Kulturen und Sorten, die Öffentlichkeits- und Pressearbeit und regelmäßige Aktualisierung der Internetseite, die Organisation der Saatgutabgabe und das Kümmern um das Gelände. Diese Managementaufgabe wird von mir seit über fünf Jahren unentgeltlich erledigt.
Da Stiftungen und andere Organisationen gern Sachmittel geben, aber keine Personalkosten fördern, ist eine Spendenaktion geplant. Hierfür brauchen wir MithelferInnen und UnterstützerInnen.

Wie im letzten Jahr wollen wir wieder am 2. Sonntag im Monat, also am 10. September von 14 – 17 Uhr, den Garten öffnen und zeigen, was wir an Vielfalt haben und erhalten. Neben Führungen durch den Garten und zu unseren Bienen präsentieren wir unsere verschiedenen Tomatensorten, auch Verkostungen sind geplant. Wir geben Saatgut ab, auch von den Winterkulturen, Es gibt einiges an Pflanzen, wie kernechte Pfirsiche und dornenlose Brombeeren, besondere Kräuter und Stauden. Bei einem Snack kann Pause gemacht und palavert werden.

Die zeitliche Kürze der Veranstaltung ist der Mitarbeit von uns Ehrenamtlichen geschuldet, die ihren Sonntagnachmittag geben und sich mutig in neue Aufgaben stürzen. Vorab ein Danke an alle die mithelfen, den Nachmittag zu einem Erfolg zu verhelfen.
 
Schon eine Woche vorher, am 3. September 2017, sind wir beim Umweltforum im Schulbiologiezentrum. Unser Stand befindet sich am Eingang zum Gemüsegarten. Der Vermehrungsgarten bleibt den Tag geschlossen.

Bis demnächst im Vermehrungsgarten, bis ca. Mitte November sind wir im Garten.

Kornelia Stock