Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen

Am 24. September fand der erste Kursus über Saatgutreinigung statt.

„Das Saatgut in verschlossenen Gläsern zu lagern kann problematisch werden, wenn es nicht trocken ist“, gibt Kornelia Stock zu bedenken. Samen würden schimmeln und damit unbrauchbar werden, erklärt die Leiterin des Vermehrungsgartens in Hannover. Zehn Mitglieder des Arbeitskreises „Erhalt in der Region“ informieren sich im Vermehrungsgarten - geschützt unter dem Dach eines Gewächshauses - über verschiedene Methoden der Saatgutreinigung. Draußen regiert der Herbst. So ist der dezente Hinweis auf die Feuchtigkeit durchaus passend, denn oben prasselt heftiger Regen auf's gläserne Treibhausdach.

Heidemarie hat kugelförmige Fruchtstände von Winterheckenzwiebeln in einer grünen Brotdose aus Plastik mitgebracht. Die kleinen schwarzen Samen aus den vertrockneten Blütenhüllen herauszuschütteln geht zwar einfach, doch wie erkennt man, welche der Samen später aufkeimen und welche nicht? Auch hier gibt die Anbauexpertin einen nützlichen Tipp: Die Samen einfach in eine Schüssel mit Wasser schütten, rät Kornelia Stock. Befruchtete Körnchen sinken dabei auf den Boden, die schlechten bleiben oben schwimmen. Nur bitte nicht vergessen, die keimfähigen Samen sofort wieder zu trocknen.

Wichtige Erkenntnis der Kursteilnehmer: Die Saatgutreinigung erfordert sehr unterschiedliche Techniken. So sollten die Samen von Tomaten oder Kürbissen nass gereinigt werden, indem das samenhaltige Fruchtfleisch im Wasser fermentiert wird. Bei reifen Tomaten muss die Prozedur direkt nach der frühen Ernte erfolgen, bei Kürbissen wiederum kann man sich damit Zeit lassen. Die Samenschale reift beim Lagern besser aus. Einige Kübisse sind bis zu 2 Jahre haltbar. Vergleichsweise einfach ist dagegen die Gewinnung der Samen beim Kopfsalat: Den abgeschnittenen Fruchtstand in einem Eimer einfach abschütteln. Dann muss kräftig gepustet werden, um die Pappushaare vom Saatgut zu trennen. Bernd, der trockene Schoten von Erbsen mitgebracht hat, muss heute vor allem Fingerfertigkeit beweisen. Durch geduldiges Reiben kullern die Erbsen der Sorte „Ruhm von Quedlinburg“ aus den reifen Fruchtständen reihenweise heraus. Er wird die kulturhistorisch wertvollen Erbsen im nächsten Jahr wieder aussäen, denn herkömmliche Gärtnereien haben die seltene Sorte längst nicht mehr im Sortiment.

Nach zwei Stunden ist die Saatgutreinigung beendet, aber nur für die Kursteilnehmer. Auf die Ehrenamtlichen des Vermehrungsgartens wartet jetzt noch ein ganzes Stück Arbeit. Vier Stunden dauert allein die Gewinnung von Saatgut aus Grünkohl der Sorte „Holter Palme“. Der traubenförmige Fruchtstand besteht aus vielen dünnen Schoten, aus denen winzige Kügelchen heraus rieseln, wenn sie aufgebrochen werden. Eine mühsame und langwierige Prozedur. Dann kommen Mangold, Muskateller-Salbei und Schnittlauch an die Reihe - die Liste der angebauten Sorten im Vermehrungsgarten ist lang. Und Herbstzeit ist Erntezeit für die Samengewinnung. Der Vermehrungsgarten macht sich zur Aufgabe, historisch wertvolle Gemüsesorten zu kultivieren, um die Samen interessierten Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung zu stellen.     
kst +me